08.09.2012

Tyrannischer Zwiespalt.

Er stand da. Regungslos, aber innerlich zappelnd. Er war sich nicht sicher, ob er abdrücken oder rebellieren sollte. Mit dem einen schont er sein Leben, das seiner Familie. Mit dem anderen beruhigt er seine verlorengegangene Moral, erreicht aber keine langfristige Veränderung. Er war nicht so, wie der Rest. Er hatte andere Prioritäten, eine andere Einstellung. Er war kein Mörder. Und trug doch die selbe braun verdreckte Uniform. Er wollte nicht mitlaufen. Er wollte keine Parolen schreien. Doch nun muss er. Von schlechtem Gewissen geplagt, von den Toten in seinen Träumen heimgesucht, vom Mitleid starke Brustschmerzen, von sich selbst enttäuscht. Angst, seine Familie nicht beschützen zu können. Die Sekunden vergingen nur wie Jahre. Die Schweißperlen tropften auf seine zitternden Hände. Die Ruhe verunsicherte ihn. Das Wimmern ließ seine Knie zittern. Er überlegte nicht mehr. Er richtete seine rechte Hand gegen seinen Kopf. Er entsicherte die Pistole. Er hörte seinen eigenen Schrei, der seinen Körper niemals verließ. Und sah die Stiefel seiner Kamerade, welche wussten, warum er das getan hatte. Sie selbst hatten zu viel Angst. Mit dem letzten Atemzug war er frei.

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